Die Vorfreude war gross auf diesen imposanten Berg. Sicher machten wir uns auch Gedanken über die Schwierigkeiten, doch mit Hilfe der kompetenten Führung von Annina löste sich unser Unternehmen in Wohlgefallen auf.
Unser Ausgangspunkt war Selden im Gasteretal. Mit jedem Wandermeter wurde der Blick weiter Richtung Balmhorn und das Gasteretal, das sich immer tiefer unter uns ausbreitete. Bald erreichten wir den Kanderfirn. Ein frisches Lüftchen kühlte uns angenehm. Nun wanderten wir auf dem aperen Gletscher aufwärts Richtung Mutthornhütte. Die munteren Bäche auf dem Gletscher zeugen von der Erwärmung. Es war richtig schade zuzusehen, wie das Gletschereis davon schwimmt.
Auf der Mutthornhütte wurden wir mit einem Willkommenstee begrüsst. Wir erlebten eine sehr angenehme Bewartung mit feinem Essen und sehr freundlichem Hüttenteam. Nach der ersten Pause teilte sich unser Grüppchen. Zwei wollten bei der Hütte "sünnele" und drei machten sich auf den kurzen Weg zum Hausberg, auf das Mutthorn, 3'035m.
Nach der Besprechung beim Z'Nacht legten wir uns schon bald zur Ruhe, denn Tagwache war um 3°°h. In der frühe des Morgens brachen wir als erste Gruppe auf und marschierten im Schein der Stirnlampen Richtung Petersgrat. Ein paar Löcher im Gletscher hielten uns wach, doch zu fünft an einem Seil machte sich eigentlich niemand grosse Sorgen. Pünktlich zur Dämmerung erreichten wir die Wetterlücke und somit den Westgrat des Breithorns. Wir machten Pause und bereiteten uns auf die Kletterei vor. Annina bildete zwei Seilschaften und so nahmen wir den Grat in Angriff. Gleich auf den ersten Metern war Krafteinsatz gefragt, danach erwies sich das Gelände als "gehfähig". Wir stiegen am kurzen Seil über schuttige Bänder und blockige Felsen aufwärts. Immer wieder kamen Aufschwünge die kletternd im II.Grad erstiegen werden mussten. Im oberen Teil fanden wir an den schwierigsten Stellen Stangen und Kabel. Mit deren Hilfe und Klettergeschick überwanden wir auch diese Hürden und standen endlich an der Sonne am Beginn des Firnfeldes. Nun kamen unsere Steigeisen und Pickel noch zum Einsatz und am kurzen Seil näherten wir uns dem Gipfelfelsen. Am Rande der Wächte im festen Firn und an der gleissenden Sonne breitete sich das Adrenalin zügig aus. Noch einmal kurz kletternd über letzte Felsen und dann standen wir zu fünft alleine auf dem Lauterbrunnen Breithorn. Welch ein beglückender Moment gemeinsam diesen Berg für uns alleine zu geniessen. Wir waren als Team unterwegs und wurden mit einer einmalig schönen und weiten Fernsicht belohnt. Kein Wölkchen am Himmel und um uns nur Berge und Gletscher. Eine halbe Stunde feierten wir gemeinsam und auch jedes für sich dieses Gipfelglück. Und was macht man bei einer so grandiosen Aussicht? - Richtig, neue Pläne schmieden...
Ein Sprichwort sagt, dass der Berg erst bestiegen ist, wenn man wieder bei der Hütte oder im Tal angelangt ist. Das galt auch für unseren Abstieg. Konzentration war gefragt im steilen Firn und auch beim Abklettern. Zudem mussten wir aufpassen, dass wir keine Steine lösten und so aufsteigende Seilschaften gefährdeten. Es gab viele Pfadspuren, doch nicht alle erwiesen sich als gut. Am besten bleibt man meist in Gratnähe. Glücklich und mittlerweile etwas müde erreichten wir wieder die Wetterlücke. Nun galt es den Üsser Talgletscher zu queren. Der Schnee war inzwischen etwas weicher geworden und die Schritte nicht mehr ganz so flott wie am Morgen. Am Fusse des Tschingelhorns trennten sich Sabine und Christoph von der Gruppe. Sie stiegen wieder zur Mutthornhütte ab und wollten in den nächsten Tagen via Gamchilücke zum Gspaltenhorn. Die drei verbliebenen Emmentaler stiegen zur Fafleralp ab und von dort mit Bus und Bahn zurück in die Heimat.
Wir waren eine harmonische und flotte Gruppe und so wurden die beiden Tage für alle zu einem wunderschönen Erlebnis. Ganz besonders danken wir dir, Annina für deine Unterstützung und Planung.