Schwalmere goes to Hockenhorn
Viele Worte zu dieser Mutation möchte ich hier nicht verwenden. Küsu Wermuth hat uns schlicht umgepolt und ins Lötschental bestellt. Sieben SACler sind seinen Aufruf gefolgt. Schnee hatte es auch, trotzdem wurde es nicht zum Märchen „Schneewittchen und die 7 Zwerge“.
Nicht zum ersten Mal in diesem Winter stehen einige von uns auf dem Hockenhorngrat. Mässig schwitzend und schnaufend haben wir die 3111 m erklommen. Mässig kommt von daher, dass der Föhn sich schon ganz schön bemerkbar macht. Einige von uns sind ja überrascht, dass der Föhn auch kalt sein kann. Jedenfalls wurden die Ohren zügig wie der Wind in die Mützen eingepackt und die Warmduscherhände in die Handschuhe gezwängt. Ohne Brillen wären wohl auch die Augen schnell mal übergelaufen.
Der Blick auf das Doldenhorn ist auch immer gewaltig von hier oben. Ja, eigentlich sind wir bei den Wallisern, aber trotzdem sei angemerkt, dass wir an der Grenze vom Wallis ins Bernerland sind.
Jetzt galt es aber vorerst mal die Felle aufzuziehen und dann durch den launischen Föhn, der ja angeblich das Lötschental überhüpft, zu stapfen. Zwischendurch hat er uns ja schon etwas ins Wanken gebracht. Aber als gestandene Emmentaler SACler sind wir natürlich nicht gefallen. Zumindest nicht wegen des Föhns. Unser Weg führte uns in Richtung des Hockenhorns. Markant wie es sich erhebt über dem Lötschental. Teilweise schon fast ein Konkurrent zum Bietschhorn. Mehr in graubraun denn weiss, aber immerhin. Wie dem auch sei, wir sind am südlichen Fuss entlang gezogen, bis der Föhn uns einfach nicht mehr weiterziehen lassen wollte. Aufgeben gab es aber nicht, so haben wir kurzerhand ein Skidepot eingerichtet und haben uns zu Fuss zum Gipfel hochgekämpft. Ob, gekämpft oder besser gepickelt hat eigentlich nur Küsu, der uns sozusagen eine Triumpftreppe, oder war es eine Himmelsleiter, in das Eis geschlagen hat. So haben wir den auch alle den Gipfel geschafft und haben uns stolz auf 3293 m über Meer die Hände geschüttelt. Vielleicht sind es im Winter auch 3294 oder gar 3295 m. Mit dem Querbalken des Gipfelkreuzes sind wir jedenfalls auf Augenhöhe gestanden.
Der Föhn hat uns auf dem Gipfel erstaunlicherweise nicht so arg geplagt, aber trotzdem war es nicht so gastlich und bald schon machten wir uns wieder auf dem Rückweg zum Skidepot. Neben ein paar Rutschpartien, welche auf dem Hintern oder im Fastspagat endeten, passierte nichts Nennenswertes. Ausser vielleicht, dass wir noch einen einladenden Stein fanden, der uns erlaubte einigermassen geschützt eine kleine Stärkung zu uns zu nehmen. Lange hielten wir es trotzdem nicht aus, zumal Küsu auch zum Aufbruch drängte.
Beim Skidepot ärgerte uns der Blasi jetzt wieder übermässig und schnell stiegen wir in die Bindungen unserer Skier und fuhren zum Lötschenpass ab. Es waren schon fast pistenähnliche Verhältnisse und die Schwünge sollten für die meisten wohl die lockersten des Tages gewesen sein. Pickelhart und fast flachgeblasen vom Wind präsentierte sich die Abfahrt. So erreichten wir zügig die Lötschenpasshütte. An Einkehr war aber nicht zu denken. Küsu drängte weiter. Die Hütte wurde ja erst vor kurzem umgebaut, aber eben .... nicht für uns.
Der Lötschenpass war schon in prähistorischer Zeit als Übergang vom Kandertal ins Lötschental bekannt. Erst mit der Erschliessung des Gemmipasses Ende des Mittelalters verlor er etwas an Bedeutung. Er liegt auf 2690 m und hat wohl schon etliches gesehen.
Nun für uns galt es wieder Felle aufziehen. Und schon bald zogen wir Richtung Gitzifurgga. Wirklich lange war auch dieser Anstieg nicht, aber die stufigen Spitzkehren hatten es manchmal schon in sich. Die Verrenkungen waren jedenfalls sehenswert, aber Nachlassen gab es nicht und so sind wieder alle gut oben angekommen. 2912 m sollen es hier sein. Noch etwas höher liegt der eigentliche Gipfel, welcher bei diesen Wetterbedingungen aber wenig Reiz ausübte und so hielten sich die Überredungskünste in Grenzen, die letzten Höhenmeter noch unter die Füsse zu nehmen. Also wurden die Felle abgezogen und verstaut und schon ging es wieder auf Abfahrt. Küsu fand natürlich wieder den besten Pulver der Region. Wobei, um ehrlich zu sein, dazu die Meinungen etwas auseinander gingen. Jedenfalls fanden nicht alle den richtigen Pulver und es wurde auch die Meinung vertreten, dass mehr demjenigen in unseren Geldbörsen sei, denn auf der Piste. Aber wer will schon schimpfen.
Nach den erste Höhenmetern hatten wir den Wind etwas ausgetrickst und so konnten wir endlich mal eine gemütliche Rast einlegen. Die Stärkung und auch die kurze Erholungspause war schon nötig, hatten wir doch schnell in den Beinen gespürt, dass da noch etwas auf uns zukommen wird. Leider wurde die gemütliche Komponente aber mit dem erneuten Eintreffen vom Blasi stark reduziert und die Rast dadurch etwas verkürzt.
Noch lagen einige Höhenmeter vor uns und wagemutig stürzten wir uns in die Tiefe. Das Stürzen darf man für einmal wörtlich nehmen, denn heute war das Stürzen ab und an wirklich wagemutig. Vielleicht werden morgen ein paar blaue Flecken davon zeugen, aber wirklich grössere Zwischenfälle gab es glücklicherweise keine, obwohl Küsu nicht immer den schonendsten Weg für uns aussuchte. Als krönenden Abschluss wählte er eine Waldpartie, welche nicht dazu geeignet war Stilnoten an uns zu vergeben. Und als Sahnehäubchen war da noch eine Steilstufe, welche in einen Pfad einmündete, der für Gemsen wohl äusserst geeignet gewesen wäre, uns aber nochmals arg ins Schwitzen brachte. Trotz diesen Widrigkeiten erreichten wir alle wohlauf den Fussweg und der letzte Teil liess uns dann wieder Jauchzen. Mit Hipp Hipp Hurra fuhren wir in Leukerbad ein.
Der Fussmarsch zum Busbahnhof schwächte uns dann unerwarteterweise doch noch über Gebühr und dem konnte nur noch mit einer Einkehr abgeholfen werden. Das Bier lockerte aber für einmal nicht die Zungen und so waren wir recht still. Zum Glück fuhr der Bus schon bald los, sonst hätten wir wohl die Pizzeria zum Schlafsaal umfunktioniert. Die Heimfahrt ging zügig durch den neuen Lötschbergtunnel voran, wobei in Visp noch der Volken geplündert werden musste. Es war Marktaktion: 5 Stückli für 8 Fr. Da wurde nochmals richtig zugeschlagen. Ok, vor allem die Männer waren da nimmersatt.
Küsu, Du hast uns einmal mehr einen abwechslungsreichen Samstag geschenkt. Du hast uns spüren lassen was Pulver ist und uns die Beinmuskeln durchkneten lassen. Wir sind wohl mehrheitlich froh, dass morgen Sonntag ist, zumal einzelne Muskelpartien möglicherweise einen Kater haben werden.
René Blum